Der Homo Sapien ist ein soziales Tier. Seit den Anfängen unserer Existenz haben wir ein angeborenes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Daher sind wir in Stämmen und kollektiven Gemeinschaften aufgewachsen. Tatsächlich wird dieses emotionale Bedürfnis nach Gemeinschaft und Gruppenakzeptanz in der Sozialpsychologie als “Zugehörigkeit” bezeichnet.

Und laut Forschung ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit “so grundlegend für das menschliche Verhalten, dass die erste Prämisse praktisch jeder Theorie über soziales oder kulturelles Verhalten sein könnte, dass Menschen einen durchdringenden Drang haben, zumindest ein Minimum an dauerhaften, positiven und bedeutsamen zwischenmenschlichen Beziehungen zu bilden und zu erhalten.”

Wir haben das Bedürfnis dazuzugehören und akzeptiert zu werden, damit wir positive Beziehungen aufbauen und aufrechterhalten können. Vielleicht ist das der Grund, warum wir es so herausfordernd finden, aus der Norm herauszutreten und unseren eigenen Weg zu gehen — weil wir damit Ablehnung riskieren.

Aber vielleicht ist da noch mehr als das?

Vielleicht wurzelt unsere Angst davor beurteilt oder abgelehnt zu werden, in einer viel größeren und katastrophalen Form der Angst: Der Angst, dass wir nicht gut genug sind.

  • Wir fürchten, dass wir in unserem Geschäftsvorhaben scheitern, weil wir denken, dass wir nicht gut genug sind.
  • Wir fürchten, dass wir von unserem Partner verlassen werden und unsere Beziehung verlieren, weil wir denken, dass wir nicht gut genug sind.
  • Wir fürchten, dass wir kritisiert und abgelehnt werden, weil wir denken, dass wir nicht gut genug sind.

Und warum ist das der Fall?

Wir werden ständig daran erinnert, dass wir nicht genug sind.

Du bist nicht dünn genug, also hier ist ein Reinigungssaft für dich. Du bist nicht reich genug, also ist hier ein Finanzinvestitionsplan für dich. Du bist nicht cool genug, deshalb brauchst du diesen 50.000€ Sportwagen. Und du bist nicht hübsch genug, aber keine Sorge, dieses Schminkset wird die Männer dazu bringen, sich in dich zu verlieben.

Also lass mich diesen Moment nutzen, um dich an die Wahrheit zu erinnern: Du bist genug.

Du bist Knallhart mit einem bodenlosen Brunnen voller Ideen. Du hast nur vergessen, dass du das bist, wegen all der falschen und ängstlichen selbst begrenzenden Glaubenssätze, mit denen du gefüttert wurdest und an die du dich weiterhin klammerst. Schüttel sie ab, sie definieren dich nicht.

Aber denken andere Leute überhaupt an dich?

Das Lustige daran ist, dass die Leute gar nicht an dich denken. Denn die Leute von denen du denkst, dass sie an dich denken, sind zu sehr damit beschäftigt sich darüber Gedanken zu machen, was andere Leute über sie denken 🤯

Lies diesen Satz noch einmal.

Und so wie du fast deine ganze Zeit damit verbringst, dir über deine eigenen Probleme Gedanken zu machen, so tut das auch die gesamte Weltbevölkerung. Die Menschen verbringen mehr Zeit damit über sich selbst nachzudenken, als über andere zu denken.

Ich tue das, und du auch — keiner von uns kann es leugnen.

Aber warum ist das der Fall? Es liegt an dem was Psychologen als unsere egozentrische Voreingenommenheit bezeichnen. Es ist eine Art kognitiver Verzerrung, bei der wir die Dinge viel zu sehr von unserem eigenen Standpunkt aus betrachten, was zu einem verzerrten Denkmuster führt.

Deine schlaue egozentrische Voreingenommenheit führt dazu, dass du denkst, dass deine Wichtigkeit viel größer ist, als sie tatsächlich ist. Mit anderen Worten, du lebst, denkst und handelst so, als ob sich die ganze Welt und jeder in ihr um dich drehen würde.

Das ist genau der Grund, warum wir uns zu viele Gedanken darüber machen, was andere von uns denken und konsequent überschätzen, wie viel und wie schlecht andere über unsere Handlungen und Misserfolge denken. Mehrere Studien der psychologischen Forschung belegen dies.

Wenn du also akzeptierst, dass die Leute ihre eigenen Probleme haben, um die sie sich sorgen müssen, und dass die meisten von ihnen dir nicht einmal viel Aufmerksamkeit schenken — zumindest nicht mehr als einen Moment der Bewunderung oder des Urteils — dann wächst du ganz natürlich über deine irrationalen Ängste und Sorgen hinaus.

Ist das nicht befreiend?

Lerne wie du gleichgültig gegenüber dem wirst, was andere Leute denken.

Im Kern beginnt der Weg zur Stärkung deiner Immunität gegen die Angst vor externem Urteil damit, dass du lernst, gleichgültig gegenüber dem zu sein was andere Menschen denken. Es ist eine Fähigkeit die Zeit und bewusste Übung erfordert, aber sobald du diese Gleichgültigkeit wirklich verkörpert hast, wirst du die Welt in einem viel stärkeren Licht wahrnehmen.

Und das führt zurück zu der oben erwähnten Idee:

Wenn du weißt, dass du genug bist, dann kann niemand — absolut niemand — dein inneres Vertrauen in dich selbst erschüttern. Niemand, egal was er sagt, denkt oder tut, wird dich davon abhalten können, ganz du selbst zu sein.

Wenn du ein Leben der Gleichgültigkeit führst, wirst du die Erkenntnis ausgraben, dass du allein dafür verantwortlich bist was du sagst und tust und nicht was andere sagen oder tun. Du bist nicht verantwortlich für die Reaktionen anderer Menschen, oder dafür, ob sie das was du sagst und tust, akzeptieren oder ausflippen.

Warum solltest du also zulassen, dass ihre Meinung, die keinen Unterschied macht, Macht über dich erlangt?

Gleichgültig zu sein wird auch eine andere Erkenntnis zutage fördern: Dass das, was andere Menschen über dich denken, nichts mit dir und alles mit ihnen zu tun hat.

Das liegt daran, dass Menschen dazu neigen ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten auf andere zu projizieren. Das ist der Grund, warum jemand der verletzt wurde, dazu neigt andere zu verletzen. Denn Menschen verhalten sich oft auf die einzige Art und Weise die sie kennen. Bis sie sich das Unbewusste bewusst machen und die Wunde öffnen, um zu versuchen sie zu heilen, wird Sabotage weiterhin ihre Standardwahl der Rüstung sein.

Mit diesen beiden Erkenntnissen kommst du nun an einen Scheideweg: Du kannst dich entweder dafür entscheiden, die Dinge persönlich zu nehmen und somit die Übertragung des emotionalen Mülls einer anderen Person zu akzeptieren und ihn zu deinem eigenen zu machen, oder du kannst dich dafür entscheiden, die Dinge nicht persönlich zu nehmen, was dich immun gegen die negativen Meinungen und Handlungen anderer macht und dich somit nicht zum Opfer von unnötigem Leid werden lässt.

Ich hoffe, dass du dich entscheidest den Weg des Letzteren zu gehen.

Ich hoffe, du fängst an dich selbst daran zu erinnern, dass die Meinungen anderer nichts mit ihnen zu tun haben und alles mit deinen Werten, Idealen, Überzeugungen und Wahrnehmungen zu tun haben.

Lebe furchtlos, lebe in Fülle und kümmere dich mehr um dein Handwerk als um die Meinung von Menschen, die du nicht einmal kennst.

Wenn wir unser Leben so gestalten, dass es von der Meinung anderer Menschen abhängt, erheben wir ihre Perspektive auf ein Podest über unsere eigene. Wir fangen an, unser tägliches Leben so zu gestalten, dass es den Erwartungen der anderen entspricht. Und wir werden abhängig von einer Quelle außerhalb unserer selbst, um unsere Identität zu bestätigen.

Das ist keine Art zu leben.

Ich möchte lieber, dass du an diesem Käfig rüttelst und ihn zerbrichst.

Ich möchte, dass du furchtlos und voll und ganz lebst.

Das bedeutet natürlich nicht, dass du dem Urteil und der Prüfung von außen entgehst, du wirst dich lediglich darüber erheben. Aber es bedeutet, dass du authentischer leben wirst. Es bedeutet, dass du nicht zulässt, dass die Eindrücke, die andere von dir haben, sich auf deine Selbstwahrnehmung und deinen Selbstwert auswirken.

Die Wahrheit ist, egal ob du Gutes oder Schlechtes tust, es wird immer Menschen geben die über dich urteilen werden. So ist das Leben nun mal. Alles was du tun kannst, ist dein Bestes zu geben dich auf das zu konzentrieren, was du kontrollieren kannst und jeden zu ignorieren, der dir das Gefühl gibt weniger wert zu sein als du bist.

Wie die Worte des großen Stoikers Marcus Aurelius:

“Um ein gutes Leben zu führen, muss man die Fähigkeit dazu haben: Wir haben das Potenzial dazu. Wenn wir lernen können, gleichgültig gegenüber dem zu sein, was keinen Unterschied macht.”

Bleibe gleichgültig, und was auch immer passiert, denke immer daran:

Du bist genug.